Nächste Anlässe
  • Okt 2014
    • OV Abend
      9. Oktober 2014 20:00 - 23:00 @ Rabus
  • Nov 2014
    • OV Abend
      13. November 2014 20:00 - 23:00 @ Rabus
  • Dez 2014
    • OV Abend
      11. Dezember 2014 20:00 - 23:00 @ Rabus
Login

2005

Damals gab es in Schwabach noch kein Relais. Überhaupt: Es gab ja gar nichts, damals. Wir hatten ja nichts!

Und das was wir hatten, war aus Holz! Zwar gab es in der Umgebung schon einige sehr gut laufende Relais, aber alle hatten ein Problem: Sie waren im Stadtgebiet von Schwabach nur noch mit richtig Power zu arbeiten, mindestens eine Mobilstation musste es schon sein. Spätestens dort, wo man mit dem Auto nicht mehr hinkommt, war dann endgültig Feierabend. Das konnte so nicht bleiben.

Also gründeten wir eine Taskforce und machten Pläne. Die Chance, überhaupt noch eine Frequenz zugeteilt zu bekommen, war auf 70cm am größten. Das kam uns insofern entgegen, als dass es ein Stadtrelais werden sollte, große Reichweiten waren gar nicht so wichtig. Andererseits gesellen sich hohe Frequenzen eh lieber zu mechanisch kurzen Antennen, sprich Gummiwurst (Drahtwendelantenne mit Gummiüberzug, d. Red.). Wir begaben uns also auf die Suche nach passender Hardware. Wie die auszusehen hatte, davon hatten wir zwar  keine Ahnung, davon jedoch viel. Ein Besuch der jährlich stattfindenden Amateurfunkmesse in Neumarkt/Opf. half weiter.

Am Stand von Geert, DF2NH, wurden wir fündig: Movietalk 110 von Grundig hieß die Lösung aller unserer Probleme. Ein kommerzieller Repeater, noch dazu bereits fertig umgebaut und abgeglichen für Amateurfunkfrequenzen! Erst allmählich wurde uns klar, was wir da vor uns hatten: Profi-Technik vom Feinsten. Ab jetzt spielten wir qualitativ in der gleichen Liga wie Polizei, Feuerwehr & Co.

Die Pläne über die einzubauenden Features gingen durch die Decke. Ein 19-Zoll-Rack würde die erforderlichen Baugruppen in Einschubtechnik mit Backplane aufnehmen. Eine Fernsteuerung muss sein (Vorschrift) genauso wie ein Rufzeichengeber. Natürlich mit Sprachausgabe. Und wenn man schon dabei ist, Echolink. So ein D-Star Gateway ist ja ausserdem heutzutage auch keine Hexerei mehr. Als Rogerpiep hätten wir dann noch gerne drei Takte Yankee Doodle. Mit gefährlichem Halbwissen ging es ans Werk. Alles in Allem in etwa eine Anlage vom Format eines ARD-Grundsetzsenders.

Zunächst ging es ans Verteilen der Aufgaben. Zur Überraschung (einiger) stellte sich heraus, dass so gut wie alle erforderlichen Dinge nicht da waren, zum Beispiel das 19-Zoll Gestell. Und der Standort drum herum. Man begann, einzelne Features zu hinterfragen; schließlich stand das Projekt insgesamt zur Disposition. Dann passierte – genau: Nichts. Die Taskforce löste sich formlos auf.

 

2008

Plötzlich kam Bewegung in die Sache, wenn auch anders als gedacht. Der OV machte so etwas wie eine Inventur und stolperte dabei über die Relaishardware. Ein Top-Relais, aber immer noch ohne Rufzeichengeber, ohne Fernsteuerung, ohne Standort und ohne Yankee Doodle. Fazit: totes Kapital. Es gab kein Relais, und noch schlimmer, es gab keine Relaisgruppe. Inbetriebnehmen oder beerdigen hieß die Devise. Der OVV drohte mit Ebay.

Die Mission des Autors war damit klar: Das Movitalk 110 musste irgendwo rauf, irgendwie, und möglichst hoch. Erstmal musste das Betriebsfunkrelais in ein Amateurfunkrelais transformiert werden. Die einst hochfliegenden Pläne waren längst vom Tisch, die handgezeichneten Schaltpläne der zahlreichen Nebensysteme kamen in den Schredder. Selbst der Yankee Doodle schien mittlerweile verzichtbar.

Die WX-Steuerung fand im MT110 ihren Platz. Ein eigens angefertigter Kabelbaum verband sie mit RX und TX. Nach einer Woche Arbeit (Nächte mitbenutzt) war ich startklar. Das Relais erhielt das Rufzeichen DJ3NRA und die Sprachausgabe sagte “Testbetrieb”. Die anschließende Präsentation beim OVV brachte Aufschub.

Es folgte eine sehr lange Testreihe. Das Relais hatte seinen festen Platz im Kofferraum. Wegen des noch fehlenden Duplexers wurde mit zwei Antennen (Magnetfüße) und wenig Power gearbeitet. Der technische Durchbruch kam am Fieldday von B13. Wieder war das Relais dabei – diesmal nur mit einem Magnetfuß für den Sendezweig. Als Empfangsantenne kam eine Gummiwurst (Gummiwendelantenne, d. Red.) zum Einsatz, direkt auf den Empfänger gesteckt. Für die Ausleuchtung des Fielddaygeländes sollte das ausreichen. Die Sendeleistung war auf Minimum, um den Empfänger nicht zuzuregeln. Die anwesenden OM’s hatten ihre Handfunkgeräte in Stellung gebracht.

Wenige Durchgänge später dann die Überraschung. Alex, DF1AX, meldete sich zu Wort. Allerdings nicht vom Fielddayplatz aus sondern aus Trautmannshofen – 40km! Alex besuchte uns spontan zum Schnitzelessen und Fachsimpeln.

Der fehlende Duplexer machte mir derweil Kopfzerbrechen. In der täglichen Ortsrunde wurden die aktuellen Ebay-Angebote angeregt diskutiert, und schließlich schien das passende Teil gefunden. Ein Procom DPF-70/6 7/9 schien passend. Noch während sich das QSO mit Lothar, DK9DE, im Detail verlor, schuf man an anderer Stelle bereits Fakten. Martin, DO1MPH, gewann die Auktion und spendete kurzerhand den Duplexer.

Der Duplexer kam, abgeglichen auf 439,300 MHz. Dies sollte ab jetzt unsere Test-QRG sein. Er wurde in das Gehäuse integriert und mit mühsam angefertigten Aircell-5-Kabeln angeschlossen. Ab jetzt konnte senderseitig Gas gegeben werden, 50 Watt Out und keine Desensibilisierung! Die Leistung wurde für den Testbetrieb auf 5 Watt festgelegt, weitere Test und Detailverbesserungen folgten.

Juli 2009

Die Standortsuche verläuft schleppend. OM’s mit exponierten Standorten waren längst abgeklappert. Die Verhandlungen mit dem Betreiber des alten Fernsehturmes verliefen im Sand. Eine weitere Präsentation auf dem Fieldday sollte für gute Stimmung sorgen. Jetzt drohte auch der 2. OVV mit Ebay. Ich brauchte einen Masterplan.

Per pedes schickte ich mich an, die Stadt systematisch zu explorieren. Jedes erhabene Bauwerk wurde ungeachtet seiner Funktion oder historischen Bedeutung auf Eignung überprüft. Dann war er gefunden, der Wunschstandort. Siemensstrasse 3 bis 5 lautete die Adresse (Rednitzhembach und damit außerhalb von Schwabach, wie sich erst später herausstellen sollte). Ein Besichtigungstermin wurde vereinbart. Ich war gut vorbereitet: Eine dicke Mappe mit 6 unterschiedlichen Broschüren des DARC, meine Lizenzurkunde und selbstverständlich das Relais betriebsbereit im Kofferraum. Zusammen mit meinem FT-60E (auf die Relaisfrequenz eingestellt) und dem Staedler-Kugelschreiber mit eingraviertem Namen sollte das Seriosität und Kompetenz ausstrahlen.

Die Broschüren kamen nicht zum Einsatz, stattdessen Begehung des Daches, Fotodokumentation möglicher Antennenstandorte inklusive. Ein Mietvertrag wurde ausgehandelt und ein weiterer Termin für erste Ausbreitungstests wurde vereinbart. Erste Versuche mit Handfunkgeräten wurden durchgeführt. Renate, DO1RMA, wurde per Funk (GSM900) zu strategisch wichtigen Standorten im Stadtgebiet von Schwabach disponiert. Die Ergebnisse waren viel versprechend.

Ein neues Relaisteam wird gegründet: Lothar, DK9DE, Tom, DG5PY, Stephan, DL1NS, Reinhard, DJ3NRA. Mit dem Aufbau der Antenne ging es los. Die von Tom gespendete Diamond X-50N war uns nicht geheuer und wurde vom OV in eine Kathrein Collinear-Antenne getauscht.

Jetzt waren noch einige Hausaufgaben zu machen. Alle bisherigen Mieter, hauptsächlich Mobilfunkbetreiber, mussten gefragt werden und zustimmen. Wir fingen an zu rechnen, Vielfache der Sendefrequenz, Lage der GSM-Kanäle im Spektrum, Dämpfungen, Strahlungsdiagramme. Vier Wochen später hatten wir das OK aller Mobilfunknetzbetreiber.

Die Wahl der nächsten Hürde gewann die Bundesnetzagentur. Ich hatte mittlerweile AFuV auswendig gelernt und wusste deshalb, dass der Betreiber eine geeignete Frequenz eigenständig aufgrund der Gegebenheiten ermitteln soll, mit Hilfe “eines Amateufunkverbandes” oder so. Sorgsam präpariert und mit mehreren Frequenzvorschlägen in der Hand rief ich bei der BNetzA Aussenstelle Mülheim an. Die mühsame redaktionelle Arbeit zum Ermitteln geeigneter Frequenzen war übrigens obsolet, wie ich sogleich erfahren sollte (um den folgenden Verlauf der Konversation zu verstehen sollte man wissen, dass Schwabach HF-mässig betrachtet Nürnberg ist). Ich gebe das mal Sinngemäss und verkürzt wieder:

Antragsteller: “Wir möchten in unserem Ort eine Relaisstelle aufbauen. Ich würde gerne von Ihnen wissen, welche Unterlagen ich dazu beibringen muss. Was die Frequenzkoordination betrifft habe ich bereits recherchiert…”

Sachbearbeiter: “In welchem Ort soll das Relais aufgebaut werden?”

Antragsteller: “91126 Schwabach.”

Sachbearbeiter: “91… — äh Nürnberg?”

Antragsteller: “Ähm, Schwabach, also das ist bei Nü-” (plötzlich ein Geräusch in der Leitung, so eine Art poltern.

Aus heutiger Sicht würde ich vermuten Jemand ist vor Lachen vom Stuhl gefallen

…). Kurze Zeit später:

Sachbearbeiter: “Wat? Noch’n Relais in Nürnberg!?!”

Antragsteller: “Nicht direkt, eher so Schwa…”

Sachbearbeiter: “<prust> Noch’n Relais in Nürnberg! Hmm…schwierig… Ich werde sehen was sich machen

lässt… ich rufe Sie an.”

Am nächsten Tag erhielt ich den Rückruf.

Sachbearbeiter: “Sie kriegen folgende Frequenz: 438,9875 Megahertz. Aaaaber: befristet, kann sein dass wir

CTCSS zur Auflage machen, Leistungsbeschränkung kann auch sein, 12,5 Kilohertz Bandbreite sowieso,

eventuell nen Einzug im Diagramm, Funkfeldlänge höchstens 50 kilometer…”

Antragsteller (kleinlaut): “Ähm…ok.”

So wurde es nie langweilig. Weil in den EPROMS des Relais nur Frequenzen im 25-kHz-Raster programmiert waren, musste eine neue Frequenztabelle erstellt und diese in neue EPROMs gebrannt werden. Mit Hilfe eines Programms aus dem Internet (woher sonst) war die Liste schnell erstellt und in eine Form gebracht die vom Programm verarbeitet werden konnte. Nach einigem Rumfragen fand Lothar schließlich Jemanden, der uns die Daten in die EPROMs, je eines für RX und TX, brannte. Ein paar Tage später waren die EPROMs wieder da und wurden eingebaut. Das Aufleuchten der beiden roten “Unlock”-LEDs unmittelbar nach dem Einschalten ließ jedoch nichts Gutes vermuten. Der Basic-Quelltext wurde auseinander genommen, diesmal eine korrekte Frequenztabelle erstellt und die gesamte Prozedur wiederholt. Die neuen EPROMs liefen auf Anhieb.

Eine weitere Herausforderung betraf die Energieversorgung von DM0SC. Am geplanten Installationsort war keine Steckdose vorhanden, nur eine Aufputzverteilerdose ein paar Meter weiter. Wie erhielten vom Vermieter die Erlaubnis zur Installation einer Steckdose, mit der Auflage die VDE-Konformität schriftlich durch einen staatlich geprüften Elektriker zu belegen. Lothar und ich rückten erneut aus und setzten die Feuchtraum-Aufputzsteckdose mit vier 6er Fischerdübeln. Später unterzog Stephan, seines Zeichens gelernter Starkstromelektriker, die Installation einer messtechnischen und visuellen Überprüfung. Der Gesellenbrief wurde beim Vermieter vorgelegt.

30.07.2009

Wir sind wieder auf dem Dach – diesmal mit dem Relais im Gepäck. Frequenz 439,300 MHz. Es meldete sich immer noch korrekt mit DJ3NRA. und lief unter Aufsicht, nicht automatisch, nicht fernbedient, eine Portabelstation im Semi-Duplexbetrieb. Noch kein echtes Relais also, noch dazu ohne richtige Sprachansage.

So eine Sprachansage ist wie eine Visitenkarte. Tom als erfahrener Radiomoderator wurde mit der Erstellung beauftragt. Lieferzeit: ein paar Tage, Versand per Mail. Dann der nächste Rückschlag: Tom’s neu aufgesetztes Windows (die alte Installation war verbraucht) verunstaltete nach einem ebenso perfiden wie undurchsichtigem System sämtliche Aufnahmen. Irgendwelche Treiberdings oder so waren nicht da oder nicht kompatibel oder nicht gut, was auch immer, wer will das wissen. Alle Nachbesserungsversuche scheiterten mit deterministischer Präzision.

August 2009

Der Antrag bei der Bundesnetzagentur verlangte die genaue Angabe des Standortes als WGS84-Koordinaten. Diese zu ermitteln stellte sich als schwieriger heraus als erwartet. Von der O2-Anlage auf dem Dach hatte ich die Gauß-Krüger-Koordinaten. Googeln nach einem Umrechnungsprogramm brachte davon mehrere hervor. Diese lieferten sehr eigenwillige Ergebnisse, und insgesamt unterschiedliche zueinander. Jörg, DG7NBR, hatte einen GPS-Empfänger der direkt WGS84 anzeigt. Man entschied sich für einen Vor-Ort Termin, aus organisatorischen Gründen allerdings Nachts, und so hatten wir keinen Zugang zum Betriebsgelände. Die auf der Straße ermittelten Koordinaten hatten natürlich einen gewissen Offset zum tatsächlichen Standort der Antenne. Andererseits konnte so jenes Programm identifiziert werden, welches offensichtlich korrekt rechnet. Diese Daten sollten es dann sein.

Ich stellte einen Antrag mit dem Wunschrufzeichen DM0SC, dies war das einzige in Frage kommende Rufzeichen mit “SC” im Suffix.

September 2009

Die Lizenzurkunde trifft früher als erwartet ein. Sofort wird der Termin für die Inbetriebnahme festgelegt: Samstag, 19.09.2009, 11 Uhr. Am OV-Abend zwei Tage vorher wurde der Projektstatus bereits verkündet und erhielt dadurch amtlichen Charakter. Dass diese Information Eingang in den obligatorischen Rundbrief finden würde, hätte ich mir eigentlich denken können. So lag der Point of no Return in diesem Moment hinter uns. Das Rufzeichen DM0SC wurde ins EEPROM des Relaiscontrollers geschrieben.

Der Ansagetext fehlte indes noch immer. Das kühne Vorhaben, mit einem an die Soundkarte angeschlossenen Mikrofon einen Text aufzusprechen (!), stellte sich als nicht realisierbar heraus und wurde aufgegeben. Mit meinem digitalen Voicerecorder begab ich mich stattdessen zu einem Vor-Ort-Einsatz in Tom’s Küche. Erst einige Probeaufnahmen, dann die Generalprobe, die ich allerdings durch einen Bedienfehler des Recorders versemmelte (versemmelt = bayer./fränkischer Terminus für verpatzt, d. Red.). Der nächste Versuch hat dann gesessen. Zuhause angekommen wurde die Ansage in den Sprachspeicher des Relais eingespielt.

Als Montageort der Antenne wurde naheliegenderweise der höchste Punkt des Gebäudes

Zumindest theoretisch, denn nach Inspektion der festgelegt, der Schlot. Gegebenheiten legten wir dieses Vorhaben erst einmal auf Eis. Die Besteigung des Schlotes erfordert Fachpersonal samt Sicherheitsausrüstung – beides fehlte, ebenso wie rund 50m dämpfungsarmes Koaxialkabel.

In mehreren Anläufen (“Werkzeug soundso vergessen”, “aha, doch noch diese und jene Schelle nötig”) wurde die Antenne vorläufig auf dem Dach installiert.

Noch ein Tag bis zur Inbetriebnahme.

19. September – Tag der Inbetriebnahme

Das eigens zusammengestellte Installationsteam rückt an:    Jörg (DG7NBR), Lothar (DK9DE) und Reinhard  (DJ3NRA). Mit Relais und einer individuell  zusammengestellten Werkzeugkiste trafen wir ein. Nur  noch schnell die beiden Befestigungswinkel an die Wand  dübeln.

Weil Löcher in Beton hinterher immer woanders sind als  geplant, hatte ich von vornherein auf Anzeichnen oder den  Einsatz einer Wasserwaage verzichtet. Unter nicht  unerheblicher Geräuschentwicklung arbeitete sich die  70er-Jahre 1000 Watt Metabo-Schlagbohrmaschine durch  den Beton um Platz für die 8er Dübel zu schaffen. Die
Arbeiten für Loch 1 und 2 verliefen weitgehend  komplikationslos. Loch 3 jedoch erreichte die nominale Tiefe auch nach Erhöhung von Anpressdruck und  Einwirkdauer nicht. Wir beschlossen, zunächst mit Loch 4 fortzufahren.

Nach Erörterung des Loch-Drei-Problems auf höchstem materialkundlichen Niveau (“scheiß Stahlarmierung”)  setzen wir alles auf eine Karte, und die hiess “8-mm-HSS-Bohrer”. Wir gewannen etwa 10 Millimeter, der HSSBohrer  verlor und dokumentierte dies dauerhaft durch Anlassfarben. Ein Wechsel zurück auf den Steinbohrer  erledigte den Rest.

 

19. September, 13 Uhr: Die Test-QSO’s laufen.

Keine guten Nachrichten. Zwar ist die Audioqualität grundsätzlich gut, doch immer wieder auftretende kurze Aussetzer sorgen für Verstimmung. Seit dem letzten Test gab es keine Änderung an der Hardware mehr, dennoch ist diese Störung bisher nicht in Erscheinung getreten. Wegen fehlender Messmittel vor Ort mussten wir uns auf Spekulationen verlagern, was nicht wirklich weiterhalf. Die Aussetzer schienen modulationsabhängig zu sein, eine Verringerung des Sendehubes auf Seiten der teilnehmenden OM’s brachte keine Verbesserung. Nur Eines stand fest: Das Relais musste zurück auf den Messplatz, vor Ort war das nicht zu beheben. Andererseits war an eine Verschiebung des Starttermins nicht zu denken. Zu groß war der moralische Druck, der wegen der amtlichen Bekanntmachung auf uns lag.

Wir entschlossen uns schließlich, das Problem zumindest auf Sende- oder Empfangszweig einzugrenzen. Ich fuhr nach Hause und kehrte mit einem Prüflautsprecher zurück. Da der RX über eine Audioendstufe verfügt, konnte die Empfangsqualität leicht überprüft werden. Beim Monitoring des RX-Audio wurde dann eines Klar: Im Empfangszweig lag das Problem nicht. Und noch etwas wurde klar: Der Schiebetakt der Eimerkettenschaltung, etwa 10 kHz, war mehr als deutlich vernehmbar. Ein Umstand, der durch die Modifikation der Eimerkette und des nachfolgenden Tiefpasses bedingt war. Auch während der Designphase ist mir dies bereits aufgefallen und wurde galant ignoriert. Der senderseitige Tiefpass nach dem Begrenzer sollte sich darum kümmern, so die Überlegung.

Es lag die Vermutung nahe, dass der Schiebetakt zusammen mit dem Nutzsignal zu Mischprodukten führte, was aber den kurzzeitigen Totalverlust des Signals nicht erklärte. Eine andere Theorie besagte, dass die +8 Volt Versorgung für die Signalverarbeitung aufgrund zu geringer Betriebsspannung (12,5 Volt) instabil sei. Die Spannung wurde auf 13,8 Volt erhöht, kein Effekt.

Panikartig wurde jetzt an diversen im Signalweg liegenden Potis gekurbelt. Schließlich ein Etappensieg: Die Verringerung der Senderaussteuerung brachte eine gewisse Verbesserung. Wir schlossen den Gehäusedeckel und fuhren nach Hause, um weiter über das Problem nachzudenken.

23. September 2009

Ich suchte die Schaltpläne auf mögliche Ursachen hin ab. Ein übersteuerter NF-Verstärker schaltet nicht einfach stumm, Eine Stummschaltung hingegen tut genau das. Der fragliche Schaltungsteil dient hier lediglich als Rufton-Austastung. Er wurde speziell für diejenigen User kreiert, die bei offenem Relais testen wollen ob es nicht noch “aufer” geht. Die Stummschaltung wurde kurzerhand mittels Fernsteuerbefehl deaktiviert und das Problem war damit erstmal vom Tisch.

25. September 2009

Heute ist Rundspruch-Tag. Tom, Chef der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei DM0SC, hat eine Sondermeldung über den Launch (Neusprech für “Inbetriebnahme”, d. Red.) an die Rundspruchredaktion gemailt. Und zwar gleichzeitig   mit   dem Vorschlag, den Rundspruch ausnahmsweise über DM0SC auszustrahlen. Ein historischer Moment, den wir mittels Windows-Rechner und CoolEdit erfolgreich mitschnitten. Es geht also doch.

Oktober 2009

Wegen des Stummschaltungsproblems wird ein Wartungstermin anberaumt. Diesmal rücken wir mit qualifizierten Messmitteln an. Mein Tektronix 2232 “Portable Oscilloscope” ist auch dabei. Die Betriebsspannung wurde wieder auf 12,5 Volt herabgesetzt. Ein 1 kHz-Sinusgenerator dient zusammen mit dem FT-60E als Mess-Sender. Mit dessen Hilfe wird wieder Ordnung in die Pegelverhältnisse gebracht. Die jetzt wieder höhere Senderausteuerung bringt bessere Verständlichkeit, und zusammen mit dem Erhöhen der einst sehr konservativ eingestellten Senderausgangsleistung auch mehr Reichweite. Die Strahlungsleistung beträgt jetzt vermutlich exakt 14,98 Watt ERP (bestimmt!). Die Stummschaltung bleibt ausgeschaltet. Um Servicearbeiten zukünftig in aller Ruhe durchführen zu können, wird der Bau eines Zweit-Relais geplant. Eine Nachfrage bei Geert, DF2NH, ergibt dass noch Einzelkomponenten eines weiteren Movitalk 110 vorhanden sind, die ich nebst sonstiger Teile sofort erwerbe. Ein Gehäuse ist nicht vorhanden. Auch diesmal sind die Teile bereits auf Amateurfunk umgebaut. Einer der beiden Empfänger hat einen rauscharmen Fraunhofer-VCO und trägt den handschriftlichen Vermerk “0,25μV / 12dB”.

Dezember 2009:

Ein erfolgreiches Jahr geht zu Ende – das Abenteuer geht weiter.

Stephan hat unsere Webseite online gebracht. Unter Verwendung von Open Source-Templates entstand ein Bollwerk, das in Umfang und Komplexität dem Internetauftritt des ZDF kaum nachstand. Auch der Barrierefreiheit wurde von Anbeginn an Rechnung getragen. Um Anregungen und Wünsche wurde gebeten.

Nach Studium (und ein solches war nötig) der Webseite erste Manöverkritik: Es gibt doch Probleme mit der Barrierefreiheit. Zwar kann die Seite von Whitestickern genutzt werden, nicht jedoch vom (sehenden) Autor dieses Textes, der beim Versuch der Informationsgewinnung via DM0SC beinahe wahnsinnig wurde. Stephan musste wegen mir vollkommen umdenken.

3. Januar 2010

Unsere Internetseite sieht jetzt aus wie die Seite des Heimatvereins Kleinkleckersdorf. Immerhin sind jetzt alle relevanten Informationen einigermaßen zugänglich.

Der Bau des Zweitrelais geht allmählich voran. Ein passendes Gehäuse ist bisher noch nicht gefunden. Zwischenzeitlich habe ich Steuersender, Steuerung und Empfänger auf dem Schreibtisch ausgebreitet und mit einem aufwändig angefertigten Kabelsatz verschaltet. Noch ohne Endstufe und ohne Duplexer wurde das erste Test-QSO mit Renate, DO1RMA, gefahren.

Das laufende Hauptsystem wurde in den Regelbetrieb überführt – bis auf Weiteres…

DJ3NRA 11-2011